Entscheidungen .

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Irgendwann steht man an einem Punkt im Leben, da muss man eine Entscheidung treffen. Oder mehrere. In den letzten Monaten war das bei mir ziemlich oft der Fall. Arbeitstechnisch. Und Privat. Hängt das ja auch alles zusammen. Irgendwie.
Allerdings hasse ich es, Entscheidungen zu treffen. Immer diese Angst, es ist die Falsche. Aber wer weiß schon, was richtig &was falsch ist? Richtig. Niemand. Also immer rein ins Abenteuer Leben.
Ab &zu wäre ich gerne wieder 7Jahre alt. Zumindest wenn es ums Entscheidungen treffen geht.
Damals haben die Elterntiere, die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen und ich war fein raus. Alles ganz easy. Okay - was die Klamottenfrage betrifft, hätte ich damals gerne schon ab und an mal selbst entschieden. Oder ein Mitspracherecht, ob der Besuch bei Mc Donalds jetzt wirklich nicht machbar ist.
Die Elterntiere wussten was abgeht. Und haben immer die richtige Entscheidung getroffen.
Vor allem was diesen feschen Mickey-Maus-Wende-Thermo-Pulli und die Ninja Turtle Bomberjacken betraf.
Aber jetzt bin ich erwachsen. Oder sollte es zumindest sein.
Mit meinen fast 30Jahren kann ich alleine die Besten Entscheidungen treffen.
Trotzdem frage ich liebend gerne immer noch mein Muttertier um Rat. Oder das geliebte Schwesterherz. Die ist zwar ein bisschen jünger - aber trotzdem irgendwie erwachsener als ich.
Die Wichtigste Entscheidung in den letzten Monaten war die, die meine Zukunft im New Yorker Land betraf. Vielleicht sollte man dazu sagen, dass ich bis jetzt wirklich ein Luxusleben, was den Arbeitsweg betrifft, hatte. Einmal mit dem Fahrstuhl runter, rein ins Center, schon war ich auf Arbeit.
Das sollte sich nun schleichend schlagartig ändern. Von 0km auf 230km am Tag. Man stelle sich mal vor, wieviel Freizeit dabei draufgeht. Mal ganz abgesehen vom Marta-Verschleiß. Bei 4.300km im Monat hätte ich alle drei Monate zur Inspektion gemusst. Oh Freude.

Also stand ziemlich schnell fest, dass ich den
(angeblich) einzig freien Posten in Flensburg nicht nehme. Weniger Stunden = weniger Geld. Dafür mehr Geld ausgeben und weniger Freizeit. Sozial nicht zumutbar. Nach 6 1/2 Jahren heißt es bye bye New Yorker.  Entscheidung getroffen.

Die nächste Entscheidung war da wesentlich schwerer. Berlin oder Kiel. Fernbeziehung oder ewiges Liebesglück. Familie oder Mann. Alleinerziehende Fellnasenmama oder happy Family.
Nach ewigem hin &her, massig Bewerbungen und vergeudeter Zeit bei Kennenlerntagen fiel die Entscheidung.
Für Kiel. Gegen Berlin.
Obwohl ich ein Jobangebot hatte. Obwohl die geliebte Familie dort ist.

Damit waren nicht alle glücklich. Am allerwenigsten ich. 
Aber als Erwachsene geht man nun mal nicht nur danach, was einem selbst am besten passt. Man denkt an andere. Hört nicht auf gutgemeinte Ratschläge vom Schwesterherz. Ich bin nicht mehr so egoistisch wie vor 10 Jahren. Ich habe dazu gelernt. Denke auch an andere.
Jetzt habe ich mich damit abgefunden nach Sailing City zu ziehen. Ich freu mich sogar drauf. Entscheidung getroffen.

Nachdem ich die Arbeitslosigkeit und den Herzmenschen, einem gutbezahlten Chillerjob vorgezogen habe, steht die nächste Entscheidung an. Wohnungssuche in Kiel.
Nicht so einfach, wie man denken mag. Obwohl ja eigentlich jeder weiß, dass der Wohnungsmarkt gerade ziemlich schlecht aussieht. Vor allem für 3 Raum Wohnungen. Das war meine Forderung. Wenn ich im schattigen Nordland bleibe – bekomme ich eine größere Wohnung.

Zum einen, weil mir die zwei Zimmer im öden Itzehoe viel zu wenig sind. Mein Freund dringend ein Arbeitszimmer braucht. Zum anderen, weil ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass eines meiner Familienmitglieder auch mal zu Besuch kommt. Die können dann zukünftig im Gästezimmer nächtigen. Genau wie das Schwiegermonster. Durch ein zusätzliches Zimmer ertrage ich Besuch definitiv besser. Kann mich freier in der Wohnung bewegen. Und niemand hat mehr das Gefühl, nicht willkommen zu sein haha. 
Also machten wir uns auf die Suche nach einer 3 Raum Residenz. Vorzugsweise mit Balkon, EBK, Badewanne und erwünschter Katzenhaltung.
Gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man eine Deadline hat. Die alte Wohnung haben wir nämlich ganz optimistisch gekündigt. Zum 30. April 2016. Drei Monate sollten doch wohl vollkommen reichen. Dachten wir.

Nachdem wir gefühlt drölfzighundert heruntergekommene Wohnungen gesehen haben, hatte mein Freund schon dezente Panik, wir würden Obdachlos werden. Er sah uns schon unter einer Brücke hausen, mit unseren Fellnasen an der Feuertonne. Ich war allerdings immer noch optimistisch. Wenn ich schon keinen Job mehr habe, sollte mir wenigstens eine Wohnung gegönnt sein. Letztendlich sollte ich Recht behalten. Aber ich glaube ja auch an Einhörner. 

Von 25 bestaunten Wohnungen waren nur 5 bewohnbare dabei. 
Davon hatte Wohnung Nummer eins allerdings einen dicken Minuspunkt. Jeder mit einem BMI über 23 hätte die Toilette nicht benutzen können. Da reißen auch die Altbau-Flügeltüren und der grandiose Dielenboden nichts raus.

Bei Wohnung Nummer zwei habe ich mir zu viel Zeit gelassen. 1 1/2 Stunden zu spät &die Bude war weg. Adieu schöner Dielenboden. Bye bye grandioser Ausblick auf Park. Im Nachhinein bin ich allerdings weniger traurig - denn der Park war besiedelt von einer Rabensippe. Tausende um genau zu sein. Und seitdem ich damals nicht auf dem Hinterhof spielen durfte - wegen akutem Rabenalarm - habe ich eh ein Trauma.
Jetzt steht nur noch die Entscheidung zwischen drei Wohnungen an. Dabei hat mir die liebste Nora und mein gesunder Menschenverstand unheimlich geholfen. Und äußerst rationale Gründe.
Wohnung Nummer drei ist raus, weil das Bad kein Fenster hat. So einfach ist das! Außerdem hätten wir dort noch Laminat verlegen müssen. Und sie war im Erdgeschoss. Das ist alleine als frau zu Hause ziemlich gruselig. Selbst mit zwei Wachkatzen.

Wohnung Nummer vier
fällt auch aus dem Raster. Mein Freund müsste jeden Tag mit der Fähre vom Westufer ans Ostufer fahren. Friedrichsort ist für manche sicherlich nicht mal mehr Kiel. Okay, der Strand direkt vor der Nase und Förde Blick vom Balkon aus ist schon verlockend. Aber mal ehrlich. Wenn man einen Job hat, kann man eh nicht jeden Tag an den Strand. Und wie oft steht man bitte auf dem Balkon und guckt aufs Wasser? Das macht man vielleicht am Anfang - und das war´s dann. Es hört sich besser an, als es ist.

Bleibt noch Wohnung Nummer fünf. Dachgeschoss, 3 1/2 Zimmer, EBK, Badewanne, Balkon. Kein Förde Blick. Dafür nur 10Minuten zu Fuß zur Fachhochschule. Mein Freund bekommt sein Spiel/Arbeitszimmer und ich endlich meine begehbare Kleiderschrank/ Blogzimmer Kombi. Freude!!
Die Residenz ist in Dietrichsdorf, nicht in Gaarden. Obwohl sich da mittlerweile auch schon die Meinungen teilen. Die einen sagen, es sei der schlimmste Stadtteil ever. Andere meinen, dass wird DER Hipster Bezirk schlechthin. Alles eine Frage der Zeit. Manche Plätze sollte man zukünftig trotzdem meiden. Also in Gaarden. Nicht in D-Dorf.
Entscheidung getroffen.


In den nächsten Tagen flattern trotzdem drei Mietverträge ins Haus. Dann können wir uns final entscheiden. Obwohl das eigentlich nicht mehr nötig ist.
Die neuste Entscheidung betrifft wieder den Job.
Möchte ich wirklich den Job, bei dem ich rein theoretisch kein Wochenende frei habe. Es kein Urlaubs- &Weihnachtsgeld gibt. Bei dem ich nur 4Wochen Urlaub im Jahr habe? Dafür aber ein Nagelneues Team &ein cooles Unternehmen mit einer Menge Möglichkeiten.
Denn eigentlich wollte ich ja was ganz Anderes. Einen entspannten Montag bis Freitag Job mit Arbeitszeiten von 8-17Uhr. Freitags um 13Uhr Feierabend. Wochenende Frei. Anscheinend bin ich für solch einen Job nicht qualifiziert genug. Meinen viele Arbeitgeber. Von daher muss ich nun wieder eine Entscheidung treffen. Ein paar Tage habe ich Zeit.
Allerdings stehen nächste Woche noch zwei Vorstellungsgespräche im Terminkalender. Und natürlich würde ich lieber in Kiel, als in Neumünster arbeiten. Allerdings will ich auch so schnell wie möglich wieder arbeiten. Falls also morgen ein Anruf kommt, wird ich mich entscheiden müssen. Wie ist allerdings eine andere Frage. Ich halte Euch auf dem laufenden.

Ich bin also gar nicht so schlecht im Entscheidungen treffen. Vor allem, weil es letztendlich immer die Richtigen waren. Irgendwie.

Solang man eine ungefähre Richtung hat, in die man will, findet man auch den richtigen Weg. Man muss eben nur einen Plan haben.

So gesehen bin ich doch schon ein Stück weit Erwachsen. Selbst wenn ich das eigentlich nicht zugeben will.

Trotzdem hätte ich doch gerne ab und zu meinen Mickey Maus Pulli und die Ninja Turtle Jacke zurück.













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