Erwachsen werden 2036

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In genau 52 Tagen habe ich Geburtstag. Das ich vor ein paar Tagen meinen wie-sieht-meine-Zukunft-aus-Brief aus der Oberschule gefunden habe, ist da schon ein riesen Zufall.
Wenn ich mir diesen äußerst lustigen Brief an mich selbst durchlese, muss ich schon ab und zu schmunzeln. Natürlich stehen nur realistische Dinge darin. Zumindest das, eas man mit 16Jahren eben für realistisch hält. Ein Haus am See war in meiner Vorstellung locker drin. Kinder. Hochzeit. Ein grandioser Ehemann und mein damaliges Traumauto in der Garage. 
Irgendwie stellte die 30 für mich ein riesiges Symbol des erwachsenen Werdens dar. Jahrelang. Wenn ich meine imaginäre Checkliste durchgehe, was ich alles schon geschafft haben sollte wollte. Die kleine Ylva und der süße Finn spielen im Garten mit unseren Golden Red River. Das Haus steht oder ist zumindest in Planung. Eine feste Base im Leben. Am besten noch verheiratet und den perfekten Job. Das Renault Megane Cabrio in der Garage. Optimaler Weise hat man noch ein bisschen Geld auf Kante gepackt. Für Notfälle. Oder für Urlaub auf den Malediven.

Im realen Leben sieht es irgendwie anders aus

Okay, den Freund habe ich safe. Zwar noch ohne Ring am Finger - aber das ist okay. Der Rest ist noch dezent in der Schwebe.
Irgendwo habe ich die Kurve nicht bekommen. Zu viel geträumt, das Leben nicht zu ernst genommen. Ich bin zu faul gewesen, weil ich auch so meinen Weg gefunden habe. Ohne viel Anstrengung. Dafür mit viel Spaß &ein bisschen Glück. Vielleicht hätte ich mein Geld lieber auf ein Sparkonto legen sollen, anstatt in meinen Kleider- &Schuhschrank. Ich bin allerdings zufrieden. So wie es bis jetzt lief – lief es gut.  Ist es gut.
Mit 16 dachte ich mir, dass ich mit dreißig sowas von erwachsen bin. Den totalen Plan vom Leben habe. Denkste! Denn jetzt, wo es soweit ist, denke ich mir eher - ich &erwachsen?! Tsssss. Wer sagt denn auch, dass man mit 30 erwachsen sein muss? Diese Regel stellt man sich dummerweise selbst auf. Das habe ich zumindest so gemacht. Jahrelang.

Alles Quatsch. Sage ich jetzt. Nur weil man sich im Teenageralter utopische Ziele gesteckt hat. Es ist keine Schande wenn man diese Ziele, mit der Überschreitung der imaginären Erwachsen-werden-Grenze, noch nicht erreicht hat.

Wenn man sich wesentlich jünger fühlt &von anderen auf 24 geschätzt wird, ist alles oki doki.  Schei* auf unerreichte Ziele. Dafür weiß ich, ich hatte jede Menge Spaß. Habe schon ein bisschen von der Welt, okay - von Europa, gesehen. Ich habe gelebt. War nicht geizig und habe mein Geld gebunkert. Dafür erfülle ich mir meine Wünsche einfach zu gerne sofort. Wenn ich etwas sehe, will ich es meistens gleich haben. Nich erst in ein paar Monaten.
Okay – ein gefülltes Bankkonto ist auch nicht zu verachten. Aber bis jetzt bin ich auch so gut durchs Leben gekommen. Und wenn das Geld mal knapp ist, dann gibt es immer noch meinen Dispo (jaja sehr vorbildlich, ich weiß. Aber wozu ist das sonst gedacht?) oder meinen Freund. Der ist in mancherlei Hinsicht nämlich schon wesentlich erwachsener als ich. Zumindest was das Geldtechnische angeht. Vielleicht ergänzen wir uns deshalb so grandios. Er spart das Geld an &ich kann es wieder ausgeben. Investition in Möbel beispielsweise. Das ich mit seinem Geld nicht meinen Kleiderschrank finanziere ist wohl selbstverständlich haha. Schön wäre es.

Ich fahre lieber für ein langes Wochenende in eine europäische Stadt, anstatt mich stundenlang in ein Flugzeig zu setzen. Solang ich noch vernünftig laufen kann liebe ich es, durch fremde Städte zu laufen. Mit meiner Canon jede Laterne und jede Brunnenfigur zu fotografieren. Erstmal ist Deutschland und Europa dran. London, Göteborg, Prag, Köln, Leipzig etc. danach der Rest der Welt.
Außerdem könnte ich niemals drei Wochen am Stück auf unsere Fellnasen verzichten. Nach spätestens einer Woche ohne morgendliches Gemauze bekomme ich Sehnsucht. Daher hebe ich mir die Langstreckenflüge für später auf. Wenn ich so richtig erwachsen bin.
Ich gebe mein Geld gerne für Klamotten aus. Auch wenn ich eigentlich schon zu viel davon habe. Ich quetsche lieber alles in meinen riesigen Kleiderschrank und verkaufe es irgendwann wieder auf dem Flohmarkt, als auf ein Lieblingsteil zu verzichten. Dieses Shoppingsyndrom habe ich vermutlich von meiner Granny geerbt haha.
Das Haus ist noch lange nicht in Planung. Das liegt aber eher an unserer Unsesshaften Art. Denn wir wissen immer noch nicht, ob wir unser Leben zukünftig weiter als Küstenkinder leben wollen, oder ob es uns doch zurück in die Nähe der Hauptstadt zieht. Ich tendiere aber eher zur Küste. Der erste Schritt dorthin wird in ein paar Wochen erfolgen. Sailing City – wir kommen.

Ylva &Finn müssen warten …

Genau so weit entfernt sind ehrlich gesagt auch Ylva und Finn. Zumindest gibt es schon mal Namen für unsere imaginären Kinder. Bei Finn waren wir uns sofort einig. Von Ylva weiß mein Freund noch nichts. Allerdings werde ich diesen grandiosen Namen bis aufs Blut durchboxen. Danke ans Schwesterherz für die tolle Idee. Was das betrifft, mache ich mir allerdings gar keinen Stress. Denn hätte ich mich an die Generationsabsprache gehalten, wäre Finn schon 9 und Ylva 7Jahre alt. Was das betrifft, bin ich ziemlich froh, dass mein damaliger Freund keine Kinder wollte (zumindest nicht mit mir) Außerdem bekommen Frauen in der heutigen Zeit immer später Kinder. Ich habe also noch Zeit. Außerdem muss ich selbst erstmal ein Stück weit Erwachsen werden, bevor ich irgendjemandem beibringen kann, wie das Leben läuft.
Erstmal steht die Karriere ganz weit oben. Gerade jetzt, da ich durch den Jobwechsel quasi wieder bei null anfange. Nach über sieben Jahren im New Yorker Land stand ein Tapetenwechsel an. Wofür ich im Nachhinein wirklich dankbar bin. Denn letztendlich war es die richtige Entscheidung. Auch, wenn das alle Planung über den Haufen geworfen hat. &ich eine ziemlich stressige Zeit vor mir habe. Letztendlich wird sich das alles lohnen. Einen Job, der mir Spaß macht habe ich also schon mal. Check!
Worüber ich sehr froh bin, ich das fehlende Renault Megane Cabrio. Denn das finde ich heute wirklich schrecklich. Mit 16Jahren habe ich es geliebt. So ändern sich Geschmäcker. Glücklicherweise. Ich bin froh über meine Marta. Selbst ausgesucht. Selbst Finanziert. Dank einem kleinen Polster, welches das Muttertier für mich angelegt hatte. Da ist es schon wieder – dieses ärgerliche Thema Geld zur Seite legen. Tssss.

Ich habe keine Angst mehr vor meinem 30. Geburtstag. Weil ich meine eigenen Erwartungen einfach zu hochgesteckt habe. Ich habe sie runtergeschraubt. Mit 30 muss man nicht zwingend erwachsen sein. Natürlich wäre eine gewisse Vorbildfunktion nicht schlecht. Dessen bin ich mir bewusst. Allerdings kann ich auch mit dreißig munter durch Pfützen springen. Mich auf dem Spielplatz auf eine Schaukel setzten und versuchen so hoch wie möglich zu schaukeln. Mir den Bauch mit Torte vollschlagen, bis mir schlecht wird – obwohl ich weiß, dass zwei Stück eigentlich reichen. An Einhörner glauben und immer noch total verrückt nach Füchsen, Eulen &Eichhörnchen sein. Ich kann machen, was ich will und wie ich es will. Denn ich weiß am besten, was wann gut für mich ist. Natürlich ist ein nützlicher Tipp ab und zu Gold wert. Aber ich weiß wo ich hin möchte &dafür ist nur wichtig, wie ich mich dabei fühle. Erwachsen werde ich irgendwann. Später. Die große drei kann ich trotzdem schon mal mit mir rumschleppen. Voller Stolz.
Am liebsten würde ich meinen 30. Geburtstag im Disneyland Paris feiern. Im Prinzessinnen Schloss. Durch den neuen Job, bekomme ich natürlich nicht so schnell Urlaub. Also wird der Disneyland Besuch verschoben. Auf unbestimmte Zeit. Vielleicht warte ich damit noch solange, bis Finn &Ylva da sind – denn die wäre sicher auch nicht ganz abgeneigt gegen einen Besuch im Schloss.
Man sollte sich einfach nicht zu sehr unter Druck setzten mit dem erwachsen werden. Man hat genügend Zeit! Ernsthaft. Auch wenn sie manchmal viel zu schnell vergeht. Man muss mit 30 nicht erwachsen sein. Das wird man noch früh genug. Man sollte sein Leben viel mehr genießen. Und wenn das bedeutet, sein Geld lieber im Kleiderschrank zu bunkern, als auf dem Konto – dann ist das eben so! Man muss mit dreißig kein Haus, keine Kinder und noch nicht alles von der Welt gesehen haben. Europa ist ein super Anfang. Genau wie eine größere Wohnung.














Kommentare:

  1. Wie witzig, dass ihr euren ,,imaginären" Kinder schon Namen gegeben habt.
    Mit 16 waren wir wirklich alle noch sehr naiv und ich hatte ähnliche Gedanken wie du, aber ich denke das soll schon so sein. :-)
    Lass einfach alles auf dich zu kommen. Geburtstag haben kann so schön sein.
    Alles Liebe wünscht dir,
    Vanessa
    MademoisellePinette

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    1. Haha ja, das finde ich auch irgendwie witzig. Noch nicht mal in Planung, aber hauptsache die Namen stehen schon :)
      Ich finde auch, dass alles schon irgendwie so läuft &es passt dann auch. Man sollte sich selbst weniger Druck machen und einfach mal das Leben leben.

      Lieben Dank für deinen lieben Kommentar.
      Liebste Grüße,
      Josie

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